Vernunft und Moral

Philosophie

Der Mensch ist ein vernunftbegabtes Wesen und die Vernunft als solches ist, laut Kant, die oberste Entscheidungsinstanz. Dies wird vor allem beim Thema der Moral deutlich.

Wenn wir, laut Kant, nach unserer Vernunft handeln und entscheiden, werden wir uns moralisch korrekt verhalten.

Doch was ist Vernunft? Woher kommt sie? Ist sie angeboren?

Vernunft ist der Teil in uns, der aufgrund von Beobachtungen und Erfahrungen, die durch den Verstand wahrgenommen wurden, Schlussfolgerungen, Prinzipien und Regeln ableitet und diese verfolgt. Man könnte auch sagen, die Vernunft ist die lebenserhaltende, geistige Instanz in uns, die Risiken abwägt und in Richtung des potentiellen (persönlichen) Wohlergehens lenkt.

Wenn nun also die Vernunft die oberste Entscheidungsinstanz sein soll und auf Erfahrungen und Beobachtungen basiert, dann lässt sich daraus folgern, dass das Potential zur Vernunft angeboren ist. Was aber schlussendlich vernünftig ist, basiert auf dem bisher Erlebten. Ein Kind, welches auf die heiße Herdplatte fasst, handelt erst nach dieser Erfahrung vernünftig und wird dies nicht noch einmal tun.

Wenn nun aber ein Mensch in seinem bisherigen Leben nur Gewalt, Ausbeutung und Krieg erlebt hat, wie würde eine vernünftige Handlung dieses Menschen aussehen?

Die Vernunft als oberste Entscheidungsinstanz für moralisches Verhalten ist ohne Empathie eine sehr relative Angelegenheit.

Erwartung

Philosophie, Spiritualität

Erwartungen sind etwas sehr menschliches und der Mensch versucht oftmals in einer Erwartung oder auch in der Hoffnung, Halt bzw. Sicherheit zu finden.

Wenn ich nun etwas von einer in der Zukunft liegenden Situation antizipiere oder erwarte, nehme ich mir selbst die Möglichkeit, im Augenblick des eintreffenden Moments der Situation, eine Entscheidung und Aktion aus dem Moment heraus zu treffen.
Ich binde mich an eine subjektive Wahrscheinlichkeit.
Ich reagiere anstatt zu agieren!

Ich möchte dies mit dem Aspekt der Zeit ein bisschen verdeutlichen.
Wir haben einen Vektor im Raum, der mit der bekannten Vergangenheit beginnt und in Richtung der unbekannten und undefinierten Zukunft verläuft.
An dem immer weiter fortlaufenden Ende dieses Vektors, befindet sich die Gegenwart bzw. das Hier und Jetzt.
Den Bereich dazwischen nennen wir Zeit, um diesem Bereich zu beschreiben.
Ich weiß also nicht, wohin und wie weit dieser Vektor führt und dennoch versuche ich, vom Anfang schon auf das Ende zu schließen und kürze unter Umständen meinen fortlaufenden Vektor ab.
Übertragen nehme ich mir somit im Jetzt die Möglichkeit der Entscheidung aus einem Gefühl heraus.
Wir lassen uns von der Vergangenheit fremd bestimmen, aus den bereits erlebten Situationen.

Wäre es ein Wagnis, aus der fremd bestimmten Geisteshaltung hin zur schöpferischen Geisteshaltung zu wechseln?
Wäre es nicht schöner und vor allem energiesparender, aus jedem Moment heraus und dem momentanen Gefühl zu entscheiden?

Zum Schluss möchte ich mit dir eine kleine Phantasiereise unternehmen. Möglicherweise löst diese Emotionen in dir aus.
Du bist in folgender Situation:
Am Ende meiner Tage liege ich bei meinen Lieben auf dem Sterbebett.
Ich sehe zufrieden in die Augen meiner Kinder und meiner Enkel.
Ich habe das Gefühl von einem erfüllten Leben in mir und bin bereit meine letzte Reise in diesem Leben anzutreten.
Mein jüngster Enkel drängt sich zwischen den anderen hervor und möchte noch etwas von mir wissen. Einige wollen ihn aus Respekt zurück halten, um mir die Ruhe zu gewähren.
Doch ich lächle und freue mich auf die Frage und bitte meinen Enkel die Frage zu stellen.
„Opa/Oma, gäbe es da etwas, was du in deinem Leben gerne anders getan hättest?“
Ich überlege kurz und antworte: „Nein, denn ich habe mich in jeder entscheidungsfähigen Situation für eine neue Erfahrung und somit für ein neues Leben entschieden und nicht an einer Erfahrung und dem darauf basierten Leben festgehalten.“

Authentizität, die heutige Gesellschaft und spirituelle Szene

Allgemein, Gesellschaft, Spiritualität

In meinem letzten Beitrag habe ich ja schon über das Thema Selbstverwirklichung und authentisch sein berichtet.
Das Thema Authentizität möchte ich nun nochmals in Verbindung mit der heutigen Gesellschaft und der spirituellen Szene aufgreifen.

Wie Bruno Würtenberger (siehe Video, vorheriger Beitrag) so schön sagte:“Authentisch sein bedeutet nicht sagen was man denkt, sondern leben was man fühlt!“ Wenn ich mir diesen Satz oft durch den Kopf gehen lasse, so findet er immer größere Resonanz in mir.

Auch in der spirituellen Szene ist authentisch sein eines der Schlagworte schlechthin.
Bin ich nun authentisch, wenn ich auf dem spirituellen oder auch esoterischen Weg bin und mir dann gleich Vulkangesteinarmbänder kaufe und fünf Rosenquarze um den Hals hänge? Wenn ich neben meinem total gestressten Leben jetzt vier Mal die Woche Yoga mache und jedem Fremden in der Straßenbahn von meinen Fortschritten beim Sonnengruß erzähle?
Wenn ich die Bücher von Eckhart Tolle auswendig lerne und vor lauter spiritueller Gedanken die Verbindung zu mir und meinen Gefühlen verloren habe?
Du erkennst an meinem Sarkasmus meine Haltung.

Lebe was du fühlst!
Das ist natürlich einfacher gesagt als getan. Wenn ich nun als heterosexueller und nicht homophober Mann gerne pinke Polo-Shirts tragen möchte, mir es aber an Selbstvertrauen fehlt, werde ich wahrscheinlich mit der Angst leben müssen, als Homosexuell abgestempelt zu werden. Unsere Gesellschaft macht schlicht und ergreifend ein authentisch sein zum Überlebenskampf. Dies soll nur als einfaches Beispiel dienen.

Wir sind mittlerweile derart fremdbestimmt und manipuliert von Wirtschaft, Medien und Politik und oftmals merken wir dies gar nicht. Als kleines und vor allem unscheinbares Beispiel nehme ich den Amazon Dash Button.
Der Amazon Dash Button lässt sich für verschiedene Produkte, z.B. von Pampers, programmieren, in das WLAN einbinden und per Knopfdruck lässt sich das hinterlegte Produkt einfach bestellen. Dies ist auf den ersten Blick natürlich ein sehr nützliches, praktisches und bequemes Gimmick.
Wenn man sich das ganze mal aus psychologischer Sicht anschaut, findet man hinter den Kulissen ein raffiniertes Konzept. Zum einen verliert man den Bezug zum Geld. Man merkt via Knopfdruck nicht mehr, wie das Geld aus der Tasche wandert. Zum anderen klinkt sich der Dash Button genau da ein, wo der Mensch empfänglich ist, nämlich in der bequemen Gewohnheitsregion im Gehirn.
Der Mensch wird immer mehr vom selbstständigen und eigenverantwortlichen Denken entführt. Wird werden täglich von unzähligen Reizen überflutet, so dass uns das Denken zur Last wird.
Gerne übernehmen dies die großen Anbieter für uns und halten uns so am Tropf.
Wir werden schleichend mit personalisierter Werbung manipuliert und erfreuen uns an neuen technologischen Errungenschaften, die uns noch ein weiteres kleines Stück der Selbstständigkeit und Autonomie abknabbern. Social Engineering (soziale Manipulation) ist heute eine gängige Praxis in den sozialen Netzwerken und auch im Marketing.

In dieser Fremdbestimmung entfernen wir uns immer mehr von uns selbst, um den Bogen wieder zur Authentizität zu spannen.
Wir bekommen vorgegaukelt was wir wollen und was nicht und diejenigen, die sich von diesem Tropf abhängen und sich selbst leben wollen, werden von den meisten Menschen belächelt und im besten Fall als Spinner abgetan.

Es gehört Mut dazu, authentisch zu sein und eine ordentliche Portion Selbstvertrauen.
Doch dieses Gefühl von Freiheit, sich nicht mehr verstellen zu müssen und mit sich selbst in Frieden zu leben, ist ein Preis der doch lohnenswert klingt im Vergleich zur manipulierten Marionette, oder nicht?

 

Authentisch sein und Selbstverwirklichung

Spiritualität

In der spirituellen Szene ist oft die Rede vom authentisch sein. Sich selbst finden. Sich selbst verwirklichen.
Das sind heutzutage oft Begrifflichkeiten, die doch eine breite Masse anstrebt.
Doch wie genau ist man denn nun authentisch? Wie findet man sich selbst oder gar verwirklicht man sich selbst?

In diesen Fragen habe ich nun mittlerweile eine zweijährige Berg- und Talfahrt hinter mir und finde so langsam „meine“ Antworten, da dieser Prozess für mich sehr individuell ist.

Möglichkeiten werden natürlich in der Eso- und Spiriszene wie Sand am Meer geboten. Meistens die Aufforderungen von selbsternannten oder von außen bestimmten Guru’s. Tu dies und tu das und vor allem MUSST du dies und das tun. Man verliert sich sehr schnell in solchen, ich nenne es mal vorsichtig, Vorschriften. Das jeder die beste Geheimwaffe hat, ist natürlich selbstverständlich. Schlussendlich geht es doch oft wieder um verkaufen.

Ich greife mal das Beispiel der Meditation heraus. Hier gibt es gefühlt 1000 Varianten zu meditieren.
Im Groben die Sitzmeditation oder Gehmeditation.
Aufgedröselt kommen wir dann zur Metta-Meditation oder geführten Meditation, weiter zur Chakren-Meditation, bei der ich mich auf einzelne Chakren konzentriere. Die Vielfalt ist gigantisch und jedes hat, aus meiner Erfahrung, seine Vor- und Nachteile.
Paramahansa Yogananda z.B. empfiehlt die Meditation auf das dritte Auge (Stirnchakra). Dies soll wohl die größten Erfolge in der Gottverwirklichung, also der Selbstverwirklichung, mit sich bringen.

Ich habe letztes Jahr einen Achtsamkeitskurs belegt bei einem Heilpraktiker und Mediziner in Freiburg, mit einer unglaublichen Präsenz und Ausstrahlung, sowie einer über 35 Jährigen Meditationserfahrung.
Seiner Ansicht nach schult die Meditation auf das dritte Auge vor allem die Intuition und auch die Hellsichtigkeit.
Ob das nun toll ist, dass man weiß was so alles in der Zukunft kommt, ist fraglich.
Für ihn ist die Meditation auf das Herz-Chakra, die wirkungsvollste Meditation.
Dies war für mich eine sehr eindrückliche Erfahrung und hat mein Gefühl bestätigt, es ist wieder einmal sehr individuell.
Welche Meditation sich für mich wohlig anfühlt, in der ich unverkrampft bin und mich fallen lassen kann, die wird mir auch die meisten Fortschritte bringen.

An diesem Punkt kommen wir zum authentisch sein.
Hierzu habe ich vor kurzem ein Video von Bruno Würtenberger gesehen, welches ich euch nicht vorenthalten möchte. Von meinem Gefühl her, trifft er den Nagel ziemlich auf den Kopf. Zusammengefasst ist authentisch sein nicht sagen was man denkt, sondern leben was man fühlt.

Wenn wir uns also unserer Gefühle bewusst werden und diese auch leben, befinden wir uns doch auf dem Weg der Selbstverwirklichung?

Relativität

Gesellschaft, Philosophie, Spiritualität

Ich habe vor kurzem den ersten Band der Reihe „Gespräche mit Gott“ von Neale Donald Walsch gelesen.
Das Buch hat mich schon bei den ersten Seiten sehr gefesselt und fasziniert. Seine Darstellung über die Seele, das Empfinden und die zwischenmenschlichen Beziehungen haben mich sehr begeistert und mir auch auf einige Fragen Antworten gegeben.
Beim weiteren Lesen fühlte ich jedoch eine leichtes Unbehagen in mir aufsteigen, welches ich noch nicht richtig deuten konnte. Dies dauerte bis zu den letzten Kapiteln, bis sich das Gefühl schlussendlich wieder legte.

Doch was regte sich da in mir und vor allem warum?
Ich reflektierte das Buch und mich und fand den Auslöser. Ich blieb hängen bei der Warum-Frage, des Guten, des Bösen und der Schöpfung.
Ja warum gibt es denn nun Gut und Böse?

Ich habe zuvor einige Bücher von Armin Risi gelesen und mir auch zu diesem Thema diverse Vorträge angeschaut.
Risi beschreibt Gut und Böse als eine Spaltung von Lichtwesen aus der Quelle (Gott). Diese Dunkelwesen hielten sich für mächtiger als die Lichtwesen, da sie Dunkelheit erschaffen konnten, und hatten sich schon in den obersten Dimensionen vom Licht abgewandt. Da wohl eine Entscheidung in den höheren Dimensionen absolut erscheint, wurden die Wesen und die Materie so verdichtet, bis unser Kosmos so wie wir ihn heute kennen entstand (sehr vereinfacht dargestellt). Da die Erde ein Planet des freien Willens ist, inkanieren hier Licht- und Dunkelwesen. Die Lichtwesen sind hier um ihre „gefallenen“ Brüder und Schwestern wieder zurück zum Licht (zur Liebe) zu führen. Sprich, der oberste Plan einer Seele (Lichtwesen) ist das Wiedererinnern an die Urquelle, das Licht oder die bedingungslose Liebe.

Bei Walsch sieht der oberste Plan gleich aus. Nur über Gut und Böse schreibt er anders. Aus seiner Sicht gehört alles zur Erfahrung einer Seele. Damit sie sich selbst wieder an die Quelle (Gott) erinnert, braucht sie das Böse als „Gegenspieler“ und somit als Helfer zur Rückkehr in das Licht. Kriege, Misshandlung, Mord und Lüge sind somit relative Erfahrungen, welche zum Prozess des Wiedererinnern dazu gehören. Für mich wirkt das ganze ein bisschen zwielichtig, da Walsch ja mit Gott spricht und in diversen Textstellen von Gott in der 2. Person gesprochen wird. Auch kritisch sehe ich den Punkt, indem er oft das Gesagte als absolute Wahrheit darstellt. Das sagt er so nicht in seinem Buch, doch die Aussage, dass Gott ihm sagt, Menschen werden sein Buch als Blasphemie ansehen, stellt für mich einen Absolutheitsanspruch dar.
Er beschreibt das Böse auch als Schöpfung des globalen Bewusstseins, hier sehe ich durchaus eine konkrete Antwort.

Da wir uns aber an die Quelle und somit auch an die bedingungslose Liebe erinnern sollen, frage ich mich, wo bleibt die Relativität?
Wäre dann in unserem irdischen Leben nicht auch die bedingungslose Liebe, sowie das Böse ebenfalls, nur eine relative Erfahrung? Gehört sie denn nicht dem Guten an?
Wenn wir nicht werten sollen zwischen Gut und Böse, denn es ist ja alles eine notwendige Erfahrung, warum dann für das Gute entscheiden wenn es doch nur relativ ist?

Darf man, abschließend gefragt, Gut und Böse relativieren? Ich glaube nicht.

Bewusstsein

Philosophie, Spiritualität

Mich beschäftigt gerade die Frage, wo denn nun wirklich unser Bewusstsein entsteht. Schulmedizinisch gesehen entsteht es im Gehirn, nicht genau in einem Areal sondern eher durch das dynamische Wirken mehrerer Areale im Gehirn. Dieses Bewusstsein erlischt somit, wenn wir gestorben sind.

Mein Gedanke geht nun weiter materialistisch in Richtung der Physik. Jeder Gedanke, jeder nervliche Reiz aus dem Gehirn basiert doch auf Energie. Der Gedanke, den wir bewusst oder auch unbewusst denken, sorgt für elektrische, somit energetische, Reize, welche eine Reaktion im Körper hervorrufen. Ich gehe hier nun vom Ausgangspunkt des Bewusstseins aus. Das Bewusstsein, welches ja im Gehirn entstehen soll, ist somit der Urheber der energetischen Reize. In der Physik lautet nun eine Grundlage der Energie: „Energie kann weder zerstört oder erzeugt werden. Sie kann nur umgewandelt werden.“

Wenn also unser Bewusstsein der Urheber der Abläufe unseres Lebens ist, also immer vorhandene potentielle Energie, wohin geht dann diese Energie wenn wir sterben? Energie kann doch weder zerstört noch erzeugt werden?