Die Unterdrückung des Individuums

Allgemein, Gesellschaft, Philosophie

Dem ein oder anderen wird vielleicht die App bzw. die Plattform „TED“ bekannt sein.
Eine Plattform, auf der man die Möglichkeit hat, Ideen und Erkenntnisse zu teilen. In dieser App schaue ich des öfteren nach, was die Menschheit aktuell bewegt, ohne den verzerrten Mumpitz aus den Massenmedien konsumieren zu müssen.
Hier bin auf einen Vortrag gestoßen, der mir dezent die Galle steigen ließ.

In dem Vortrag ging es um Prävention gegen die Radikalisierung, vor allem von Jugendlichen. Egal ob islamistisch oder rechtsradikal.
Vorgestellt wurden verschiedene Herangehensweisen, z.B. Satire-Videos auf YouTube oder der direkte Kontakt von ehemaligen Radikalen, die der Organisation gegen die Radikalisierung unterstellt sind, mit bereits Angeworbenen, die ihr Denken in den sozialen Netzwerken kundtun.

Dies ist doch erst einmal ein „edles Vorhaben“ zum Schutz der Jugend.

Doch genau an diesem Punkt stieg mir die Galle. Mir kam der Spruch von Einstein in den Sinn, der auch auf meinem Banner zu finden ist.

Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind. Albert Einstein

In einer wissenschaftlich geprägten Welt, in der Hetzjagd der Phänomene, in der die Eigenarten und das Wesen der Individualität enteignet werden und der Mensch sowie die Natur, nur noch gerätehaft fremdbestimmt werden sollen, ist es denn da nicht verwunderlich, dass die Jugend eine eigene Identität sucht?

Den Ruf des Empfindens spürt?

In unserer westlichen Welt, ist kein Platz für eigenständig denkende und empfindende Individuen. Wer sich gegen das System aufbäumt und aus sich selbst heraus leben will, wird gefressen und ausgeschieden.

Und dieses Team gegen die Radikalisierung, geht nun mit der selben Denkweise an dieses Thema, wie es entstanden ist. Basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Es wird versucht, die Identitätslosen herauszufinden und diese von einem möglichen Fehler abzubringen. Ich schöpfe am Ende des Flusses Wasser ab, um es am Anfang wieder hinein zu kippen, denn unsere Gesellschaft hat sich dadurch nicht verändert.

Wenn wir wirklich daran etwas ändern wollen, dann sollten wir außerhalb des etablierten Systems nach Lösungen suchen und nicht aus dem System heraus, welches die ganze Misere heraufbeschworen hat.

3 Gedanken zu “Die Unterdrückung des Individuums

  1. Hallo, an Deine Ausführungen ließe sich vieles, vieles anfügen und wir könnten uns in eine endlose Diskussion begeben. Vielleicht bei Zeiten dazu mehr, sehr gerne sogar, wenn es sich ergibt. Hier nur kurz einige Gedanken zur ‚Box‘, derer es namentlich so viele gibt wie Menschen und ihre Beziehungen zueinander.

    Eine Box in diesem Sinne ist jeweils ein Bezugssystem, das ein Mensch oder eine Gruppe von Menschen benutzen, um sich zurecht zu finden. Das Gesellschaftssystem ist eine Box, auf das sich hinreichend viele Individuen mehr oder weniger geeinigt haben. Passt jemand nicht dort hinein und/oder entscheidet sich gegen die Box, so wird er zum Außenseiter. Und hier kommt nun der Punkt, auf den ich hinweisen wollte: um eine Gesellschaft zu ändern, muss man deren Box kennen. Die 68er nannten das – soviel ich aus Erzählungen weiß, Quellen dazu sind mir nicht bekannt – den ‚Gang durch die Institutionen‘.

    Was Du weiterhin beschreibst, erscheint mir als die Entfremdung des Menschen von sich selbst. Er wird zum Schaf oder zur Ameise. Dergleichen brauchte das Industriezeitalter in seinen Fabriken. Dass das in der heutigen postmateriellen Informationsgesellschaft nicht mehr funktioniert, das haben viele leider noch nicht verstanden. Zu dem Thema gehe ich auf die Verstärkung von Intuition und ‚Ahnung‘. In einer rein verstandesdominierten Gesellschaft ist das Individuum nicht mehr als ein Rädchen im System, das keinerlei Sinn in seinem Tun sieht, als den Erwerb seines täglichen Brots zu sichern. Durch die Rückbesinnung auf sich Selbst, durch Selbsterkenntnis gelangt es ihm, sinnstiftende Tätigkeiten, Flow und Zufrieden zu finden.

    Bin gespannt auf weitere Gedanken.
    Gruß
    Lion Logert

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  2. Auf der einen Seite stimme ich zu und finde den Verweis auf das Zitat von Einstein passend.

    Andererseits: Um ‚outside the box‘ denken zu können, muss man zunächst die Box verstanden haben. Möglicherweise ergeben sich hier insoweit neue Gelegenheiten?

    Gruß
    Lion Logert

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    1. Danke für deinen Kommentar. Wie würdest du denn die Box aus deiner Sicht beschreiben? Ich verstehe die Box – ich nehme hier mal die Zeit um Jesus und die Säkula, die auf ihn folgten – als einen Ort, an dem vor allem zwei „Glaubens“-Richtungen die Welt dominieren. Die Naturwissenschaft sowie die Geisteswissenschaft im theologischen Sinn, sprich Religion. In diesen beiden Richtungen untersteht die Welt deren Dogmen. In der Religion darf im Namen von Gott gehandelt werden, jede Tat, jede Handlung kann auf Gott berufen werden. Hier beruft man sich auf etwas nicht greifbares und verabsolutiert dies. In der Naturwissenschaft haben wir genau das Gegenteil. Aus einer Gestalt, aus einem Wesen oder inhaltlich zusammenhängendem Organismus, werden Einzelteile herausgepickt, zerpflückt und daraufhin sucht man hier die Erklärungen für deren Funktion. Ich kann doch nicht aus vielen einzelnen und von sich getrennten inhaltlichen Gegebenheiten wieder ein großes ganzes Erstellen und meinen, ich habe die Welt verstanden. Hier werden ohne handfeste und bewiesene Funktionen keine anderen Wahrheiten akzeptiert. Hier wird der Fortschritt verabsolutiert, der zwangsläufig in die Irre führen muss. Heutzutage lacht man über die Mythen von damals. Was aber diese Mythen unserem Denken von heute voraus haben, ist die Tatsache, dass darin versucht wurde, den Inhalt der Erscheinungen und Gestalten (eine Gestalt gestaltet Wirkung) zu begreifen und auf das Leben zu übertragen. Hier war jeder ein Teil eines großen und lebendigen Organismus. Dank der Inquisition von damals und den naturwissenschaftlichen Dogmen von heute, sieht sich der Mensch eben nicht mehr als diesen Teil des großen Organismus den ich einfach mal „das Leben“ nenne. Man ist getrennt und so geht man auch mit sich und der Umwelt um. Man wird heutzutage von der Gesellschaft abgeschnitten, um verbraucht zu werden. Man ist einfach nur ein Jemand, der vor sich hinlebt, von der Gesellschaft fremdgesteuert und von Außen bestimmbar. Durch dieses von Außen bestimmbar sein, geht jedoch deine eigene Bestimmung, deine Individualität vor die Hunde. Aber genau von diesem Fakt, lebt unser Sozialstaat. Der Einzelne wird vereinzelt, das Schicksal und die eigene Entwicklungsmöglichkeit wird auf die Breite Masse übertragen und geht dem Individuum verloren. Und hier schließe ich wieder meinem Beitrag an, wer jedoch versucht aus diesem System auszubrechen, wird entweder als verrückt erklärt oder als Genie bezeichnet. Die Masse braucht eine Bezeichnung für jemanden, der nicht so ist wie sie, damit sie sich nicht schlecht fühlen müssen. Denn das, was der Mensch heute am allerwenigsten erträgt… das ist die Wahrheit über sich.

      Liebe Grüße
      und ich freue mich auf deine Sicht der Dinge 🙂

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